Wagnerverband, 50. Jubiläum - Der tiefe Klang

Suchen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

Wagnerverband, 50. Jubiläum

Unterwegs


Festveranstaltung des Richard Wagner Verbands München

50jähriges Jubiläum 2003

23.11.2003. Gestern abend trafen sich im Künstlerhaus am Münchner Lenbachplatz die ganz eingefleischten Wagnerianer, zur Festveranstaltung des Richard Wagner Verbands München, der das fünfzigjährige Jubiläum seiner Wiedergründung nach dem Krieg feierte.

Das war kein Treffen der Schickeria, die sich bei den Opernpremieren zur Schau stellt. Die Abendgarderobe war hier zwar festlich, aber gedämpft. Die Eingeweihten waren unter sich. Anwesend waren auch Vertreter des königlichen Hauses Wittelsbach, Wolfgang Wagners Tochter Verena Lafferentz, dazu Vertreter anderer Wagnerverbände. Der Festspielleiter Wolfgang W. selbst musste absagen, weil er am gleichen Tag im thailändischen Bangkok bei der feierlichen Gründung eines neuen Wagner Verband dabei war.
Zur Feier des Tages gab es eine aufwendige Festschrift, 243 Seiten mit vielen Abbildungen, darin war auch ein saftiger Aufsatz über die grotesken Verrenkungen des modernen „Regie-Theaters“, von dem ich einige markante Auszüge in dem entsprechenden Thread vorhin zitiert habe.

Um 19.00 Uhr begann das Programm im großen Festsaal. Nach diversen Begrüßungsworten wurde das „Goldene W“ verliehen, an die unvergessene, wegen Krankheit leider abwesende Astrid Varnay.
Dann sprach der bekannte Wagner-Experte Oswald Georg Bauer über die "Sternenfreundschaft" zwischen dem Märchenkönig Ludwig II. und Wagner.
Dazu gab es donnernde Klaviermusik von Franz Liszt und ein poetisches Harfenkonzert von Elias Parish-Alvars. Nach der Pause folgte nur noch Wagnermusik, neunzig Minuten lang Höhepunkte aus den Meisterwerken, gespielt von den Münchner Symphonikern, die bis 1990 unter dem Namen „Symphonie-Orchester Graunke“ bekannt waren und für mehr als 500 Filme die Begleitung spielten, unter anderem in Helmut Käutners bekanntem Spielfilm-Klassiker „Ludwig II.“ mit O.W. Fischer.
Die plastische, warme Akustik des Festsaals trug jeden Ton deutlich bis in die letzte Reihe. Leider hatte Dirigent Allan Bergius kein rechtes Gespür für den Komponisten. Natürlich wurde hier engagiert und professionell gespielt, es kochten auch immer wieder hitzige Klangwellen hoch. Aber vieles kam zu harmlos und nur korrekt, da fehlte das Geheimnisvolle, Nervenzerrende, Dämonische, Berauschende - wichtige Elemente von Wagners Klangwelt. Es gab die Orchesterversionen des Einzugs der Götter, Feuerzauber und Liebestod. Der unverwüstliche Walkürenritt ließ mit kraftvoller Attacke die Wände und den Zuhörer erzittern.

Solisten waren junge, noch unbekannte Sänger, überwiegend Stipendiaten des Wagner-Verbandes, die mittlerweile an verschiedenen Opernhäusern als Solisten auftreten. Frische Stimmen, die mit großen Wagnermonologen glänzten, denen man aber zurufen möchte, sich vor den Belastungen der ganz schweren Partien noch eine Weile zu hüten.
Constance Heller sang Erdas Warnung aus dem Rheingold und die Waltrauten-Erzählung mit eindringlicher dramatischer Stimmführung. Ein glanzvoller Höhepunkt des Abends war Wilfried Staber mit Hagens Wacht. Ein tiefschwarzer, mächtiger Bass, wie man ihn schon lange nicht mehr gehört hat, der die düstere Botschaft des Stücks eindringlich zum Leben erweckte. Alexander Vassiliev brachte klangschön, ein wenig blass, zwei Ansprachen von Daland und Pogner. Ebenso angenehm waren Gérard Kim (Wolframs Eichwald-Monolog), Stefanie Smits (Hallenarie) und Andrew Redmond (Lied an den Abendstern).
Schließlich zeigte Eva Zettl mit Elsas Gebet, was ganz großer Wagnergesang sein kann. Sie liess die somnambulen Töne geradezu atemberaubend in den Saal hinein strömen und hallen. Wie mit einem mächtigen Zauber schallte das herüber - die morbide, halb verhangene Atmosphäre, narkotisierend und beunruhigend, die ein charakteristischer Teil der Wagnermusik ist.


 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü