Schönberg, Gurrelieder - Der tiefe Klang

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Schönberg, Gurrelieder

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Arnold Schönberg (1874-1951), Gurre-Lieder

mit Deborah Voigt, Waltraud Meier, Ben Heppner, Eike Wilm Schulte, Matthew Polenzani, Ernst Häfliger
Münchner Philharmoniker
Dirigent: James Levine
21.7.2001

Schönberg, Gurre-Lieder

mit Eva Marton (Tove), Florence Quivar (Waldtaube), Gary Lakes (Waldemar), John Cheek (Bauer), Jon Garrison (Klaus-Narr), Hans Hotter (Sprecher)
New York Philharmonic
Dirigent: Zubin Mehta
28.5.1991

4.7.2005. Bei James Levine sind viele Details mulmig, unausgewachsen. Immer wieder braust ein aufwallender Klangrausch, der jedoch außer brüllender, ohrenbetäubender Lautstärke keine Geheimnisse enthält. Der Pomp klingt hohl und leer.
Angestrengte Stimmen hört man. Ben Heppner wirkt etwas müde, tranig. Später schreit er gellend herum. Auch Deborah Voight ist zu schrill und kalt. Waltraud Meier, die optisch immer aufregend ist, keift hier recht müde und einschläfernd herum.
Einzig und allein der grandiose Mozart-Tenor aus längst vergangenen Zeiten, Ernst Häfliger, in der winzigen Rolle als exzessiver Sprecher mit schriller, überkippender, hochdramatischer Stimme, wird dem kraftvollen Ausnahmerang dieses Werks gerecht, das am Endpunkt der Wagnerschen Spätromantik steht und sogar die Tristan-Ekstasen übertreffen will.

Zubin Mehta hat da ein ganz anderes, kraftvolles Kaliber, hoch emotional vom ersten Takt an.
Allein das sinnlich schwelgende, hitzig glühende, nicht endenwollende, dahinwallende Orchestervorspiel entführt schwermütig, wie unter halb geschlossenen Augenlidern, aufreizend in eine gleißende, depressive Welt.
Die Schriftzeichen der Partitur, die Noten, werden hier meisterhaft ausgedeutet, glanzvoll vertieft und in einen großen emotionalen Rausch verwandelt. Der orchestrale Teil ist das beste an der ganzen Aufnahme. Und der heftige, aufbrausende Chor der New York Choral Artists.

Bei den Sängern steht an erster Stelle, alles überragend, der amerikanische Tenor Gary Lakes, der die großen, nachtschwarzen, aufwallenden Szenen des Königs Waldemar mit schwelgender, verwehender Ekstase kostbar ausgestaltet. Diese Partie ist ein Glanzstück der ganzen Aufnahme.
Man hört das immer und immer wieder und bekommt nicht genug davon. Jeder einzelne, ausufernde Waldemar-Monolog ist ein Kunstwerk für sich.
“Nun dämpft die Dämmerung jeden Ton... Es ist Mitternachtszeit, und unselige Geschlechter stehen auf aus vergessenen Gräbern, und sie blicken mit Sehnsucht, nach den Kerzen der Burg.”
Die anderen Sänger erfreuen leider nicht so sehr. Eva Marton bedrängt mit einer paprikascharfen, harten Dominanz. Florence Quivar ist eine etwas monotone Waldtaube. Dazu deklamiert in der Sprechrolle Bayreuths langdauernder Wotan Hans Hotter. Hier nuschelt er leider recht undeutlich herum, bis der große Chor den majestätischen Schlußstein setzt, “Seht die Sonne... aus den Fluten der Nacht.”
Das Werk hat viele Kontraste. Die wirren, assoziativen Sprechgesänge von “Klaus Narr”. Die dunklen Gespensterchöre von “Waldemars Mannen”: “Der Hahn erhebt den Kopf... die Zeit ist um! Das Leben kommt mit Macht und Glanz, mit Taten und pochenden Herzen.”  

Der Dirigent Zubin Mehta allerdings - er vereint diese sehr unterschiedlichen Stimmungen, mit einer weichen, schwelgenden Orchesterbegleitung.


 
 
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