Tarot - Im Schatten der spiegelnden Seen

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Der Tarot und die Reise des Helden

8.6.2003. Die Symbolik ist eine Welt für sich. Denn neben dem logischen, abstrakten Denken gibt es auch ein analoges - gleichnishaftes - Denken in alten, prähistorischen Bildern.
Die Erkenntnisse der nüchtern denkenden Humanisten und rationalen, logischen Aufklärer waren nicht stark genug, um Visionen, Phantasie und Symbole völlig auszulöschen.
Archetypen und Mythen der frühen Kulturen sind visuelle Chiffren, deren Zeichen man mittlerweile in abstrakte Gedanken übersetzen kann, genauso wie man heute auch die Hieroglyphen der alten Ägypter Wort für Wort übersetzen kann und ihre Bedeutung bis ins Detail versteht.
Das Alphabet dieser Spezial-Sprache kann man am TAROT studieren und begreifen.

Richard Wagners Lieblings-Epoche war das Mittelalter. Aus dieser Zeit stammt auch der Tarot, ein symbolisches Kartenspiel. Die Herkunft dieser Karten ist unklar, der Ursprung reicht möglicherweise bis ins Ägypten der Antike zurück. Andere Quellen gehen davon aus, daß die Karten zwischen 1095 und 1270 von Kreuzfahrern aus dem Orient nach Europa eingeführt wurden. Auf jeden Fall wurden Tarotkarten im frühen 14. Jahrhundert in Italien benutzt. Viele historisch überlieferte Tarotkarten wurden von bedeutenden Künstlern wie Albrecht Dürer (1471-1528) gestaltet. Zur Demonstration eignet sich am besten die bekannte Version von Arthur Edward Waite (1857-1942).

Die Bilder dieser Karten sind farbig, klar und voll alter Symbole. Sie zeigen Grund-Situationen. Wechselnde Stationen des menschlichen Schicksals und der fortschreitenden Erkenntnis. Die unaufhörliche Verwandlung der Außenwelt und ihren Einfluß auf die Innenwelt.
Es gibt mittlerweile Tarotkarten in hunderten von Variationen, zum Teil sehr derb und geschmacklos, zum Teil mit hoher künstlerischer Phantasie gestaltet. In den letzten Jahren kamen immer wieder neue Sätze dazu. Man verwendet sie in bestimmten Kreisen auch zur Schicksalsdeutung und Wahrsagerei, was hier aber - nicht im geringsten - interessieren soll. Es geht ganz bestimmt nicht um Hokuspokus, sondern nur um eine logisch nachvollziehbare Erklärung der berühmten Symbol-Bilder, die seit fast siebenhundert Jahren bekannt sind.
Es sind 78 Karten, von denen nur 22 Karten eine tiefere Bedeutung haben. Die sogenannten großen Arkana (Geheimnisse). Die Bilder der einzelnen Karten stellen Schicksals-Situationen dar. Sie zeigen den stetigen Entwicklungsweg des Menschen.

Es ist eine ganze Welt für sich, mit Symbolen aus allen Weltkulturen.

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Ein Narr im bunten Gewand schaut in die Luft und schreitet auf einen Abgrund zu. Ein kleiner Hund bellt, um ihn zu warnen. In der Ferne leuchtet ein schneebedecktes Gebirge (die Erkenntnis), darüber eine strahlende Sonne.
1
Der Magier mit dem Zeichen der Unendlichkeit. Er zeigt zur Erde und zum Himmel.
2-5
Vier gekrönte Herrschergestalten als Lehrer, als Zeichen irdischer und geistiger Macht.
6
Die Liebenden, die Vereinigung der Gegensätze.
7
Der Triumphwagen des Kämpfers, gezogen von zwei Sphinxfiguren, mit einem Sternenbaldachin.
8
Man sieht eine Frau, über der das Zeichen der Unendlichkeit schwebt. Sie greift einem Löwen ins Maul. Gemeint ist die Willensstärke, die geistige Kraft.
9
Der Eremit mit Stab und Laterne. Zu seinen Füßen sieht man die Gipfel eines schneebedeckten Gebirges. Meditation. Die Versenkung ins Innere.
10
Das Rad des veränderlichen Schicksals, dazu eine Sphinx mit Schwert, ein Engel und Fabelwesen mit aufgeschlagenen Büchern.
11
Gerechtigkeit. Eine gekrönte Gestalt zwischen zwei Tempelsäulen, mit Schwert und Waage.
12
Der Gehängte, mit einem Heiligenschein, mit dem Kopf nach unten aufgehängt an einem T-förmigen Holzkreuz. Meditation. Die Versenkung ins Innere.
13
Der Tod. Ein Ritter in schwarzer Rüstung mit Totenkopf, vor dem Menschen ohnmächtig niedersinken. Abschied und Neuorientierung.
14
Mässigkeit. Ein Engel am Ufer eines Teichs, der Wasser von einem Kelch in einen anderen schüttet. Gelassenheit. Innere Ruhe. Mischung und Veredlung.
15
Der Teufel. Eine gehörnte Gestalt, halb Ziegenbock, halb Dämon. Vor ihm ein Mann und eine Frau, beide sind angekettet.
16
Ein Turm explodiert, von einem Blitz getroffen. Menschen werden hinausgeschleudert. Chaos und Neubeginn.
17
Der Stern. Eine Frauengestalt gießt Wasser aus zwei Kelchen, das eine in einen Teich, das andere auf die Erde. Hoffnung.
18
Der Mond. Darunter zwei Säulen. Zwei Hunde und ein Skorpion. Die Träume. Das Unterbewußtsein.
19
Die Sonne. Darunter leuchtende Sonnenblumen. Ein Kind auf einem Pferd. Eine neue Stufe der Erkenntnis.
20
Gericht. Ein Engel bläst die Posaune. Darunter Menschen, die aus Gräbern aufstehen. Am Horizont ein schneebedecktes Gebirge. Die Rückschau auf das bisherige Leben.
21
Das Ziel. Das Universum. Die Vereinigung mit dem Kosmos. Eine nackte Gestalt, umgeben von einem großen grünen Kranz und vier Köpfen, den Zeichen für Mensch, Stier, Löwe, Adler.

Diese Liste stellt das vollständige Bild eines geschlossenen symbolischen Systems dar. Deshalb geschahen die Erklärungen auch nur in Stichworten. Zu jedem einzelnen Tarot-Motiv gibt es bereits eine sehr ausführliche Literatur.

Auf den Bildern gibt es noch viel mehr allegorische Zeichen. Symbole aus der griechischen Antike. Motive aus der Zeit der ägyptischen Pharaonen ergänzte man im Mittelalter mit Bildern aus dem Großen Buch der jüdischen Kabbala und dem Alten Testament.
Alle einzelnen Bilder führen zum zeitlosen Gleichnis vom großen Schicksalsweg des Menschen, beginnend mit seiner Unwissenheit, dem Fortschreiten und Reifen über dunkle und helle Lebenserfahrungen, bis zur Rückschau auf das Gesehene und zur höchsten Erkenntnis und Erleuchtung.

Dieses Gleichnis gilt auf der ganzen Welt, in einer universalen Form, die nicht an eine bestimmte Konfession gebunden ist.
Hinter den Rätselbildern des Mythos verbergen sich die unzerstörbaren Urbilder und Antriebskräfte der menschlichen Existenz.
Solche Bilder findet man auch in Richard Wagners Hauptwerken.
Lohengrin. Tannhäuser. Siegfried. Parsifal.
In ihrem Zentrum stehen die Reise des suchenden Helden und seine Abenteuer auf dem Weg zur Erkenntnis.
Bei Wagner erscheint dieses Thema im Gewand von alten Sagen und Legenden, in einer Fülle magischer Bilder und geheimnisvoller großer Klänge. In ihren stärksten Augenblicken spiegelt die Musik ekstatische Zustände. Trance, Entrücktheit, Rausch, mit vielen dunklen Seitenlinien und ausgefeilten Miniaturen. Es ist ein Gesang und eine Orchestersprache, die an das Unterbewußtsein rühren, die archaische Erinnerung an den Anfang aller Zeiten. Und darum sind sie so unwiderstehlich und wirkungsvoll.

Weitere geistige Strömungen des Mittelalters waren Katharer und Rosenkreuzer.


 
 
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