Spanien 1986 - Im Schatten der spiegelnden Seen

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Spanien 1986

Episoden > Reisen, Ausflüge > Europa


Spanien 1986
(Kurzfassung, 29.9.12)

Palamos. La Escala. Cadaques. Port Lligat. Islas Medas. Rosas.
Ampuria La Brava. Figueres. La Riera. Neuenburg. Konstanz.

 

2.7.1986. Mittwoch. Palamos. Am Hafen spazieren wir in den Lichtern der einsetzenden Abenddämmerung zu Seemannslokalen und Fischerbooten. Vor uns liegt ein Militärschiff mit Bordkanone und Maschinengewehr.  Einzelne Soldaten halten Wache.  
In einer nahen, urwüchsigen Matrosenkneipe bekommen wir nur ein abgestandenes Bier. Die Hafenlichter versetzen uns in eine träumerische Stimmung, wie in sehnsuchtsvollen alten Schlagern. "Ein Schiff wird kommen..." Fernweh weht hoch und dunkelblaue Melancholie.
Später, in der Pension, müssen wir mitten durch einen von lärmenden Zechern überfüllten Gastraum. Über eine steile, knarrende  Treppe steigen wir hoch zu unserem Zimmer. Wir finden aber keinen Schlaf. Direkt unter uns ist die Gaststube. Vielstimmiger Riesenlärm mit Musik und lauten Stimmen tobt die ganze Nacht. Bis frühmorgens gibt es Trubel und Geschrei. Und schon morgens um sieben Uhr beginnen Handwerker vor dem Fenster laut zu hämmern. Röhrende Lastwagen rumpeln vorbei.

5.7. Samstag. La Escala ist ein ehemaliges Fischerdorf. Unterkunft finden wir rasch im gepflegten Hotel "Podyum". Die Inhaberin ist eine  selbstbewusste, englischsprechende Senora. Sie reserviert für uns bis nächsten Samstag.

7.7. Montag. Ein Ausflug nach Cadaques. Über einen Hügel mit staubigen Sandwegen und  weißen Villen kommen wir zum Vorort Port Lligat, dem Wohnsitz des berühmten Malers Salvador Dali.    
In einem hitzeflimmernden Garten fallen plötzlich seltsame surrealistische Gebilde auf. Salvador Dalis Handschrift. Direkt am Strand leuchtet seine weiße Villa im kräftigen Sonnenschein.  Die Jalousien sind heruntergelassen. Aus den Zeitungen erfährt man nur noch vereinzelt Meldungen über den schlechten Gesundheitszustand des gebrechlichen Meisters, der am 23.1.89 hier auch starb.  
Vor uns liegt die idyllische Bucht, deren markantes sonnentrunkenes Panorama oft auf Dalis rätselhaften Bildern in magischem Licht glüht. Ein wolkenloser blauer Himmel lodert über der weiten stillen Wasserfläche.

8.7. Dienstag. Ziel ist L'Esterit und dort eine Möweninsel: Islas Medas.  
Das Schiff hält unterhalb einer großen sandbraunen, staubtrockenen Hochfläche mit dürren Sträuchern. Oben nisten zahllose Möwen. Ein Naturschutzgebiet ohne menschliche Ansiedlungen, bis auf eine kleine ornithologische Station.

Zu unserer Stammkneipe kommt abends der Sohn des Inhabers im offenen Cabrio. Aus dem Inneren des Autos schallt ein Klavierkonzert von Beethoven in die warme Abendluft.  Ungewohnte Klänge hier im Land des Flamencos. Der junge Mann schlichtet mit ruhiger Selbstsicherheit einen heftigen Streit zwischen Gästen.

9.7. Mittwoch. Wir fahren zur Stadt Rosas, die trotz des blumigen Namens geprägt ist von austauschbaren Hotels und Hochhäusern. Ein hässliches Touristenzentrum. Vor der klotzigen Reihe grauer Fassaden lärmt eine breite  Durchgangstraße direkt am Strand entlang.

Auch die  Stadt Ampuria La  Brava schreckt ab, mit hässlichen Hochhausklötzen am Strand. Monumente einer ungezügelten Bauwut, bei der Millionengelder in unklaren Kanälen versickern. Nur an einem schmalen Kanal entdecken wir idyllische kleine Häuser mit Appartements, die man für ein paar Urlaubstage mieten kann.  

La Escala. Die Caféterasse des "Bahia" liegt friedlich im Sonnenschein, über afrikanisch wirkenden Strohpalmen, mit Blick auf das weite Meer. Der spanische Kellner hat in der grellen Nachmittagshitze   kaum Gäste und wenig zu tun. Wir kommen leicht ins Gespräch.  
Abends  am Strand spielt ein Blasorchester feurige Unterhaltungsmusik.  

10.7. Donnerstag. Figueres. In brütender Mittagshitze bremsen uns enge, überlastete Straßen.  
Unser  erstes Ziel ist das Dali-Museum, vom Meister selbst in allen Details gestaltet, bis hin zu den exotischen Außenmauern.
Im Hof sitzt eine mächtige Moses-Figur seltsam auf übereinandergetürmten Autoreifen. In der Eingangshalle begrüßt eine alptraumartige Szenerie. In einem Luxusauto liegen verkrümmte, lebensechte Puppen, wie Insassen, die anscheinend ertrunken sind. Darüber ist ein imaginärer Ozean, auf dessen Wasserspiegel hoch oben ein kleines  Schiff seine Bahnen zieht.
Die Räume des Museums sind voll surrealistischer Bilder und Skulpturen. Zeichen einer magischen, rätselhaften Phantasie.  

 

11.7. Freitag. L'Estartit. Wir suchen nach einer  anderen Unterkunft.  Unser Hotelzimmer  ist schon ab morgen Mittag reserviert, für  neue Gäste.  
In den wild überwucherten, steilen Bergen von La Riera liegen weiße Traumvillen mit großartigem Blick auf das Meer. Das Auto quält sich an extrem steilen Auffahrten. Ein paarmal schafft der Wagen die Steigung einfach nicht und rollt  widerspenstig zurück. Ich breche deshalb die Sucherei ab.  Ergebnislos kehren wir zurück nach La Escala.  

12.7. Samstag. Unser letztes Frühstück im Hotel. Die flüssige Eierspeise bekommt mir nicht. Später meldet sich quälende  Übelkeit. Zunächst tragen wir unsere Koffer in das nahegelegene Hotel "La Riera".

Einen kurzen Ausflug machen wir zu den alten Mauern der mittelalterlichen Kirche St. Marti d'Empuries am Meer und zum kahlen Strand von San Père Pescador mit seinen gesichtslosen Campingplätzen.
Mittags brechen würgende Magenbeschwerden durch. Nur noch ein kurzer Spaziergang am Strand folgt, dann lege ich mich mit heftiger Übelkeit in das Hotelbett.

14.7. Montag. Die Rückreise nach Deutschland. Bei  Neuenburg überqueren wir die Grenze. In dem kleinen Ort finden wir rasch eine  großzügige  und preiswerte Unterkunft, das repräsentative Hotel "Residenz Neuenburg".
Im Ort ist abends ein Volksfest, mit Jahrmarktbuden und Karussells. Wir sind mitten unter fröhlich feiernden Menschen in einem schwäbischen Bierzelt.

15.7. Dienstag. Ab Freiburg  beginnt eine kurvenreiche Berg- und Talfahrt durch den herrlichen Schwarzwald. Dunkle Tannenwälder an steilen Hängen begleiten uns.
Konstanz. Schnell finden wir Unterkunft in der Pension "Bodensee". Dann folgt eine Rundfahrt mit einem weißen Ausflugschiff. Der Schiffsführer beschreibt über Lautsprecher die Umgebung mit den drei Uferstaaten  Schweiz, Österreich und Deutschland.
Auch vom Konstanzer Konzil erzählt er. Vor uns am Seeufer liegt das Haus, in dem die Obrigkeit damals, von 1414 bis 1415 den Ketzer Jan Hus gefangen hielt. Heute gehört das Gebäude der Opernsängerin Lisa Della Casa.
Abends sitzen wir draußen vor einem Lokal mit bayerischen Rautenfahnen, das sich "Löwenbräu" nennt.  

16.7.86. Mittwoch. Über die Siegener Autobahn kehren wir nachmittags nach Münster zurück. Die Bilder der letzten vierzehn Tage vom Mittelmeer sind jetzt nur noch ein Teil der Erinnerung.

Und eine Krise bricht voll durch, die in den letzten zwei Wochen unter der Oberfläche lauerte, aber jetzt wieder heftige Wellen schlägt.

Ein Jahr später fällt die endgültige Entscheidung zur Trennung und der Entschluss, das mit vielen starken Erinnerungsbildern belastete Westfalen zu verlassen, für einen Neu-Anfang in München.


 
 
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