Midgardhaus - Im Schatten der spiegelnden Seen

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Midgardhaus

In der Tiefe > Das innenleben der Dinge > Die Harmonie der Welt


Midgardhaus

10.5.2013. Der Starnberger See galt in den Fünfziger Jahren als etwas ganz Besonderes. Dort lebten viele Millionäre, und das Finanzamt hatte Spitzen-Einnahmen.
Durch die Globalisierung und die zunehmende Verkehrsgeschwindigkeit zwischen den Kontinenten gibt es längst viele Alternativen, und der See hat etwas von seinem Glanz verloren.

Am westlichen Seeufer gibt es die S-Bahn für Jedermann, und am östlichen Ufer leben diejenigen, die sich mehrere Autos leisten können.
Die Hinweisschilder auf die einzelnen Orte sind unterwegs sparsam, denn so viele Besucher will man nun ja auch nicht und lieber mehr unter sich bleiben.

Seeshaupt hat seinen Namen vermutlich daher, dass der See am südlichen Ende eine kreisförmige Bucht bildet, die mit etwas symbolistischer Phantasie an einen Kopf erinnert.
Dort ist der Reichtum am Ufer zwar sichtbar, aber recht diskret und nicht protzig. Beliebt ist auch ein einfach gestricktes Wirtshaus, das "Café am See".
Auf der Außenterasse schaut man über die weite Wasserfläche, und die traditionelle bayrische Küche wird zu akzeptablen Preisen angeboten.

In Tutzing geht es schon vornehmer zu. Dort gibt es das Midgardhaus, mittlerweile ein Restaurant mit Biergarten, das deutlich den Namen des Besitzers trägt, "Häring", der natürlich gut zum Angebot der Speisekarte passt.
Doch Midgard hat auch noch eine andere Bedeutung.

http://www.garatshausen-info.de/garatshausen36.htm
Zitat:
"Etwa ab 1864 wurde die kleine Villa im toscanischen Stil sechs Jahre lang für den bayerischen Schriftsteller Maximilian Schmidt (1832 - 1919) zum Domizil. »Waldschmidt«, der sich um die Bewahrung der Starnberger Seetraditionen verdient gemacht hat, sah in seiner Villa Gäste wie Kaiserin Elisabeth, König Ludwig II. und vermietete die Räumlichkeit vorübergehend auch an das entthronte Königspaar Franz II. und Marie von Neapel."

Was hat das alles mit Midgard zu tun? Der zitierte Artikel erklärt es nicht.
Doch die Wikipedia weiß es. Zitat:
"Midgard ist eine germanische Bezeichnung für die Welt oder die Erde.
Midgard, wortwörtlich „Mittelgarten“, meint dabei genau genommen den Wohnort der Menschen in der Mitte der Welt."

Das Haus hatte also für die ersten Besitzer eine übergeordnete geistige Bedeutung, stand für die Dimension der Erde im Kosmos. Physikalisch gesehen ist die Erde natürlich nicht der Mittelpunkt des Universums, aber der Mittelpunkt des menschlichen Lebens, in seinen materiellen und geistigen Aspekten.

Die Besucher am gestrigen Feiertag werden es wohl nicht so genau gewusst haben, aber mit ein paar Mausklicks im Internet kann jeder sein Wissen ergänzen, wenn er es denn will.
Vielen fehlt dazu die Energie, weil sie sich von der allgemeinen Informationsflut betäuben und überrollen lassen und nicht trennen zwischen Wichtigem und Unwichtigem.

Das Gespräch gestern streifte viele Themen, konzentrierte sich aber immer wieder auf eine Angelegenheit, die in fünfundzwanzig Jahren gemeinsamer Eindrücke nie zur Sprache kam:
Die Depression. Das ist eine starke Traurigkeit, die aber nichts mit Psychosen oder Wahnvorstellungen zu tun hat.
Es ist eine Lebenskrise wie viele andere auch, bei der auch Medikamente manchmal nichts bewirken. Denn sie vernebeln nur die Ursache.
Und das ist meistens eine seelische Verletzung, die in das Unterbewusstsein verdrängt wurde und sich dort versteckt.
Näheres hierzu findet man beim Stichwort "Sublimierung".

Beenden kann man solche Krisen, wenn man darüber spricht, aber nur in der richtigen Weise und ohne Stress oder Hektik.
Selbst hochbezahlte Experten sind dazu nicht immer in der Lage. Dann bewirken sie gar nichts oder verschlimmern sogar die Situation statt sie aufzulösen.

Gestern wurde dazu ein Anfang gemacht. Der größte Fehler vorher war das Schweigen, und meinem Gesprächspartner war in der letzten Zeit niemals anzumerken, wie es um ihn stand.
Die anregende Atmosphäre am See, die Schönheit der Natur trugen dazu bei, dass der Tag angenehm ausklang.
Und das war nicht weit vom Hirschgarten, einem der größten und beliebtesten Münchner Biergärten, der an Feiertagen natürlich völlig überfüllt und unruhig ist.

Das Wirtshaus "Kurgarten" hat eine überschaubare Terrasse, auf der am Nachmittag nicht viele Gäste saßen. Die schattigen Bäume, die alten Laternen waren ein wirkungsvoller Kontrapunkt zum Trubel an den bekannten Ausflugspunkten des lärmenden Massentourismus, der jede Nachdenklichkeit vertreibt.
Und so ging dieser Frühlingstag zu Ende, mitten in München und doch in der Stille der ungestörten Konzentration, in der viele Dinge zum Vorschein kommen, die sonst im Alltagslärm untergehen.

"Der Gletscherberg"

 
 
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