Bedrucktes Papier - Im Schatten der spiegelnden Seen

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Bedrucktes Papier

Enigma 1 - 10 > 1. Kapitel: Planet Alpha, Teil 1 > 7. Das alte Haus


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20.1.2013. Als Gutenberg (1400 bis 1486) die erste Druckmaschine erfand, hatte die mühsame Abschreiberei von Hand ein Ende. Vorher schufen Mönche in den Klöstern kostbare Abschriften der Bibel und anderer bedeutender Texte. Aber für den alltäglichen Schriftverkehr war das viel zu zeitaufwändig.

Der Buchdruck ermöglichte Kopien in großer Geschwindigkeit, sogar auserlesene Schriftarten mit Verzierungen konnten in Metallbuchstaben geformt und dann verbreitet werden.

Auch die berühmte Bibelübersetzung von Martin Luther (1483 bis 1546) wurde deshalb sehr schnell bekannt.
Zeitungen und Zeitschriften in immer größerer Vielfalt und in allen Kultursprachen der Welt sorgten für die rasche Bekanntgabe neuer Nachrichten und verbesserten die Bildung ganzer Nationen.
Letztlich entstand so auch die Französische Revolution, die nach dem Jahr 1789 den König stürzte und das ganze Adelssystem, das oft nicht auf selbst erarbeitete Leistung gegründet war, sondern durch die mühelose Übernahme ererbter Privilegien und persönlicher Vorteile Macht ausübte.

Heute ist auch all das weitgehend überholt.
Die elektronische Informationsvermittlung hat sich in den meisten Wissensbereichen längst durchgesetzt, und durch das Zusammenfließen unterschiedlichster Quellen ist das erreichbare Gesamtwissen größer geworden als je zuvor.

Einige zentrale Probleme sind dabei immer noch nicht gelöst.
Das Urheberrecht soll eigentlich auch die wirtschaftliche Existenz eines Autoren oder Ideengebers sichern.
Doch immer wieder geschieht es, dass mit Hilfe der Kopiertaste fremdes Eigentum ungefragt benutzt wird, um damit viel Geld zu verdienen.

Dagegen helfen die Dokumentierfunktionen, die das Datum jeder Änderung eines Textes protokollieren und den zeitlichen und geographischen Ursprung einer Idee erkennen lassen.

Mit der „Financial Times Deutschland“ und der „Frankfurter Rundschau“ scheiterten erst im letzten November zwei angesehene Zeitungen, weil sie ihr Defizit nicht mehr in den Griff bekamen.

Das erinnert an die bundesweite Textilkrise Anfang der Achtziger Jahre. Die westdeutschen Fabrikbesitzer hatten auf die massenhaften, preiswerten Konkurrenz-Importe aus Fernost nicht reagiert und wurden ihre in teurer Eigenprodukton und auf einem vergleichsweise hohen Lohn-Niveau hergestellten Textilien nicht mehr los.
Das Versäumnis, auf geänderte Umstände zu reagieren, führte zu zahlreichen Firmenzusammenbrüchen, die vor allem in ländlichen Regionen ganze Städte in Schwierigkeiten brachten.

Ähnliches gilt auch für die Informationsverbreitung. Wer kostenlos sich weiterbilden kann, wird nicht freiwillig dafür bezahlen.

Die Lösung heißt Originalität und Kreativität.
Wer ausgefallene Inhalte bietet, kann dafür auch eine Bezahlung durchsetzen. Schon jetzt bieten Nachrichtenmagazine wie der „Spiegel“ ausgewählte online-Berichte nur dann zur Lektüre an, wenn sie auch bezahlt werden.

Das geht ganz einfach, wenn jede Leser sich für Sonderbeiträge registrieren lässt, deren Preis ihm vorher deutlich bekanntgegeben wird.
Bei der Registrierung kann er seine Bankverbindung angeben und sein Einverständnis, dass fällige Gebühren nach einer mehrtägigen Wartezeit abgebucht werden.

Der Missbrauch von Kreditkarten-Nummern und sonstigen Zahlungsmitteln wird damit ausgeschlossen. Außerdem kann der Leser anhand einer übersichtlichen Rechnung in Ruhe die fälligen Beträge und den Zahlungszeitpunkt überprüfen.
Wenn etwas falsch abgebucht wird, kann er es durch Widerspruch rückgängig machen und sich dann zur Klärung mit dem Rechnungssteller in Verbindung setzen.

Durch die potenziell viel größere Leserschaft lassen sich die Gebühren für den einzelnen Nutzer niedrig halten, und der Verlag verdient trotzdem gut.

Bei anspruchsvollen Fachzeitschriften ist es jederzeit möglich, den kompletten Inhalt nur noch gegen Bezahlung freizugeben.
Die Massenware der Sensations- und Klatschpresse wird weiterhin durch schreiende Werbung finanziert, wie es die Kundschaft liebt: Möglichst viel Aufregung und kurz danach sind alle Inhalte wieder vergessen.

Durch eine vernünftige Mischung von kostenlosen bzw. bezahlbaren Angeboten lässt sich zumindest im Qualitäts-Journalismus eine schwere Krise vermeiden.
Die „Financial Times Deutschland“ würde es vermutlich heute noch geben, wenn man das rechtzeitig erkannt hätte.

"Uralte Energie"


 
 
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